Alles perfekt?! Schulgemeinde feiert Weihnachtsgottesdienst am AH-BK

(Rö) Alles perfekt? Nichts ist perfekt. Jedem soll ich es recht machen. Das richtige Geschenk und immer mehr. Alles perfekt?! Das Essen, die Lichterketten, alles blinkt und glitzert, die Wohnung sauber, die neuen Klamotten… Alles perfekt?! Ich habe Angst. Meine Eltern haben sich getrennt. Wie wird Weihnachten bei uns? Wo feiere ich? Alles perfekt?! Nichts ist perfekt. Du bist nicht mehr da. Ich vermisse dich. Du fehlst mir. Wie kann ich ohne dich Weihnachten feiern. Alles perfekt?!

Weihnachten ist ein Fest, das in jedem von uns Sehnsüchte und Vorstellungen weckt. Es soll möglichst gut und schön werden, am besten perfekt. Aber wenn wir uns umschauen, wird uns klar, dass das nicht so ist. Wir erleben eine Welt, die alles andere als perfekt ist… Klimawandel, Katastrophen, Hunger, Krieg, Flucht und nicht zuletzt machen uns rechtsradikale Tendenzen Angst. Vor dem Hintergrund einer un-perfekten Welt feiern wir Weihnachten, weil wir uns nach Lichtblicken und Hoffnungen sehnen.
Und wie war Weihnachten damals zur Jesu Geburt? Da gab es keine mit Lichterketten geschmückten Straßen und Häuser, keine Festgelage und keine Feiertage. In jeder Hinsicht ging es unfreundlich und unweihnachtlich zu. Jeder kennt die Geschichte, dass Maria und Josef unterwegs nach Bethlehem waren, um sich dort in die Steuerliste eintragen zu lassen. Und weil in der Herberge kein Platz war, musste Marias Kind, Jesus, der Sohn Gottes, in einem Stall zur Welt kommen. Es gab kein weiches Bettchen, nur eine mit Stroh gefüllte Futterkrippe – alles andere als göttlich oder perfekt!
„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.“ Die Hirten waren die Armen, die jahraus, jahrein draußen lebten bei den Tieren, die sie hüteten und beschützten. Die Hirten waren wenig geachtet: Was ist schon ein Hirte! Sie waren die, denen man besser auswich – verwahrlost und dreckig, wie sie aussahen. Sie waren verrufen. Auch sie sind alles andere als perfekt!
Und gerade hier in der dunklen Nacht auf dem dunklen Feld erscheint den Hirten ein Licht. Es heißt in der Bibel: „Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll.“ Die Hirten sind also die Ersten, die von Jesus hören.
Sie haben kein perfektes Leben, ihres ist von Sorge, Not und Ängsten geprägt, aber dennoch sehen sie Licht. In der dunklen Nacht wird es für sie hell – kaum zu glauben.
In einer Erzählung „Weihnachten in der Psychiatrie“ von A. Piening-Beese geht es darum, wie zwei Schwestern ihren in der Psychiatrie untergebrachten Bruder an Heiligabend besuchen. Auf den ersten Blick erscheint dieses Weihnachten alles andere als perfekt. Auf den zweiten Blick erscheint aber auch hier Licht. So heißt es in der Erzählung der Schwester: „Wir bleiben zusammen, schauen uns an, halten uns an den Händen.“ In der Beziehung der Geschwister steckt dieses Licht, die Liebe.
Weihnachten erinnert uns an dieses Licht in der Dunkelheit. Jesus kommt als Mensch in unsere un-perfekte Welt. Es geht darum, eine neue Chance zu bekommen, das Licht auch in meine dunkelsten, un-perfekten Ecken scheinen zu lassen. Die Hirten ergreifen diese Chance, sie laufen los. Sie folgen dem Licht nach Bethlehem. Sie spüren in dem Licht die Nähe Gottes.
Und ich? Verlasse ich meine dunkle Ecke der Unsicherheit und der Angst? Sehe ich das Licht, das für mich scheint, auch wenn es vermeintlich dunkel ist? Bin ich Mensch und zeige anderen Licht und Hoffnung?
Eine neue Perspektive für mein Leben finden. Das, was mich bedrückt, in einem anderen Licht sehen. Das ist die Hoffnung von Weihnachten.
Ein ganz besonderer Dank gilt den Studierenden des Wahlfachs Religionspädagogik, die diesen Gottesdienst inhaltlich sehr einfühlsam und zum Nachdenken anregend gestalteten. Musikalisch sorgte das Chorlegium (Chor aus Lehrerinnen und Lehrern) und die Schulleitung, Herr Rüter am Klavier und Herr Disse-Laufer an der Gitarre, für einen stimmungsvollen Gottesdienst.