„… damit die Sachen, die passiert sind, nicht in Vergessenheit geraten!“

   GeistREich - Kirchenzeitung für Recklinghausen | Ausgabe 1 - 7. Februar 2018

 

Das Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg engagiert sich gegen Rassismus und Diskriminierung

„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“

(Theodor W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz)

 

Wer der Ansicht ist, dass die Beschäftigung mit anderen geschichtlichen Zeiten langweilig ist und zudem für die Gegenwart wenig fruchtbar, könnte am Alexandrine-hegemann-Berufskolleg an der Werkstättenstraße eines Besseren belehrt werden. Selbst an unterrichtsfreien Tagen kann es – wie jetzt im Januar geschehen – passieren, dass man dort auf die fleißig arbeitenden Schülerinnen und Schüler des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ trifft. Schließlich galt es, einiges vorzubereiten. Denn die Schule war ausgewählt worden, diesjähriger Austragungsort der zentralen Feier der Stadt Recklinghausen zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ zu sein, und das nicht zu unrecht.

Seit 2013 hat sich die Schulgemeinschaft dieser bischöflichen Schule auf die Fahnen geschrieben, „Beherzt und mutig gegen alle Formen von Rassismus und Diskriminierung einzutreten und demokratische Konfliktlösungen einzuüben.“

Bei genauer Betrachtung reicht diese Tradition schon länger zurück: Bereits vor mehr als 20 Jahren baute der Deutsch- und Politiklehrer Karl-Heinz Jostmeier das Projekt „Versöhnungsarbeit in Miroslav“ auf. Ziel war es, die Vergangenheit ernstzunehmen und gleichzeitig sensibel zu werden für die sozialen Probleme und Herausforderungen der Gegenwart. Es blieb nicht bei wohlklingenden Worten, sondern es folgten handfeste Taten: Seitdem fahren jährlich Schüler und Lehrer zur Grabpflege auf dem jüdischen Friedhof in die tschechische Stadt nahe Brünn. Verbunden wird die Reise jeweils mit einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt.

Um die Begleitung der Projektgruppe nicht alleine leisten zu müssen, hat der Pädagoge Jostmeier inzwischen die Kolleginnen Katrin Ader und Nina Beyer hinzugewonnen, die zudem dafür Sorge tragen werden, dass die Arbeit nach seiner Pensionierung im Sommer genauso qualifiziert und engagiert fortgeführt wird.

Am Gedenktag bot sich der engagierten Schulgemeinschaft die Chance, ihre Ziele und Standpunkte vor vielen hochkarätigen Gästen aus Verwaltung, Politik, Wohlfahrtspflege und Kirchen vorzustellen. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Beschäftigung mit dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten, sicherlich auch, weil dieses Thema durch eine ganz persönliche Note zusätzliches Gewicht erhält. Die Urgroßmutter der Schülerin Gulia Turek war Euthanasie-Opfer unter den Nationalsozialisten. Wegen der Diagnose einer angeblichen Depression und Schizophrenie wurde sie in die Provinz- und Heilanstalt Warburg deportiert. Gestorben ist sie sechs Jahre später an den Folgen von Unterernährung in der Landesheilanstalt Eichberg, wohin sie in der Zwischenzeit abtransportiert worden war.

Doch lassen wir die Schüler und Lehrer des Berufskollegs selbst zu Wort kommen! Warum engagieren sie sich – und was sollen die Gäste vom Gedenktag mitnehmen?

(Antworten der Schüler und Lehrer finden Sie in der aktuellen Ausgabe, als pdf-Download verfügbar hier.)

Joachim van Eickels