Wider das Vergessen – Patenschaften für Euthanasie-Opfer halten Erinnerung wach

(Be) Anlässlich der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 fand am 26. Januar an unserer Schule die Zentrale Gedenkfeier der Stadt Recklinghausen zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" statt.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von unserem Schulleiter Herrn Rüter sowie Mitgliedern der Projektgruppe "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" Jana Marks (GYM13) und Thorben Wolny (12a), die bereits zu Beginn die Bedeutung des Erinnerns und des Zeichensetzens eindrucksvoll betonten. Diesen Worten schlossen sich Frau Jacobs, Leiterin der Katholischen Schulen im Bistum Münster, der 1. Bürgermeister der Stadt Recklinghausen, Herr Tesche, sowie Gerda Koch, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Kreis Recklinghausen, mit sehr bewegenden Grußworten an.

Die Stadt Recklinghausen, das AH-BK und die Gruppe "SoR - SmC" hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen, um der Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten zu gedenken und ein Zeichen in unserer heutigen Zeit zu setzen: So übernahm neben dem Bistum Münster, der Stadt Recklinghausen, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit des Kreises Recklinghausen und dem Stadtkomitee der Katholiken in Recklinghausen auch die Projektgruppe "SoR-SmC" unseres Berufskollegs eine Patenschaft für ein Euthanasie-Opfer: Frau Maria Ruck, zuletzt wohnhaft in Recklinghausen, verstarb am 6. Mai 1944 im Alter von 39 Jahren als Euthanasie-Opfer. Die Patenschaft wurde von Herrn Monzlinger, dem Vertreter der für Euthanasie-Opfer eingerichteten Gedenkstätte, der "Treise-Kapelle", übergeben.

Giulia Turek, Schülerin der Klasse BG12 und ebenfalls Mitglied der Projektgruppe "SoR-SmC", hatte die Thematisierung der Euthanasie im Nationalsozialismus angeregt und berichtete aus der Perspektive einer Angehörigen eines Opfers, ihrer eigenen Urgroßmutter. Dieser tief berührende Bericht, aber auch die engagierten Wortbeiträge der weiteren Projektgruppenmitglieder riefen die Gäste zum Erinnern und Nachdenken auf: So stellten Noelle Nachlik und Miriam Feier (BG12) die Gedanken des Philosophen und Soziologen Theodor W. Adornos vor, der 1966 eine "Erziehung nach Auschwitz" begründete: "Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen." Die Projektgruppenmitglieder verdeutlichten, dass diese Forderung in unserer Zeit von unermesslicher Bedeutung ist und riefen zugleich zum Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und zur Zivilcourage auf.

Die von dem Lehrer Karl-Heinz Jostmeier begleitete Schulfahrt nach Miroslav in Tschechien setzt jedes Jahr ein Zeichen für die aktive Auseinandersetzung mit der grausamen Vergangenheit, aber vor allem für eine gelebte Versöhnung. Die vielfältigen Eindrücke und Erfahrungen dieser Fahrt wurden von einigen im letzten Jahr teilnehmenden Schülerinnen und Schülern sowie Herrn Jostmeier und Frau Ader vorgestellt. Neben dem Besuch der Gedenkstätte Theresienstadt und des jüdischen Viertels in Prag pflegen die Schülerinnen und Schüler einen jüdischen Friedhof in Miroslav und werden dort jedes Jahr sehr herzlich von ihren Gastfamilien aufgenommen.

Wider das Vergessen, "… denn der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch." - der Titel der Gedenkfeier fand sich in allen Beiträgen der Mitwirkenden wieder, sodass die Veranstaltung am AH-BK ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für ein friedvolles Zusammenleben setzen konnte!

Wir bedanken uns bei allen Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, die die Veranstaltung so engagiert vorbereitet, organisiert und durchgeführt haben. Unser besonderer Dank gilt dem Schulleiter Gregor Rüter, der mit Herzblut und mit guten Ideen die würdige Veranstaltung erst möglich gemacht hat.

 

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