Ein ganzer Stadtteil feiert den Herbstbeginn

Die Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs lieferten einen schwungvollen Auftakt für das Herbstfest auf der Hillerheide. Sie verwandelten Gymnastikbälle in Musikinstrumente und sorgten so für Stimmung. - FOTO: KÖHLER

 

RECKLINGHAUSEN. Die Hillerheide lebt auf: Das Herbstfest ging in die zweite Runde und brachte die gesamte Nachbarschaft zusammen.

Von Charlotte Köhler

Ein Feuerwehrauto, Cheerleading-Stunts der Eisenbahner Turngemeinde und ein Menschenkicker, bei dem groß und klein um die Wette pöhlen konnten. Das sind nur ein paar der Highlights, die das diesjährige Herbstfest auf dem Gertrudisplatz zu bieten hatte.

Gemeinsam mit den ortsansässigen Vereinen organisierten die Quartiersmanager Monika Wagner-van der Straten und Björn Schmidt-Freistühler das herbstliche Zusammenkommen. „Wir möchten die Menschen einander näherbringen und die Nachbarschaft fördern“, erklärt Schmidt-Freistühler. Das Fest ließ sich auch Bürgermeister Christoph Tesche nicht entgehen: „Ich kann dem Quartiersmanagement nur ein großes Lob aussprechen, denn sie haben es geschafft, Leben auf die Hillerheide zu bringen.“ Das Engagement wurde mit strahlendem Sonnenschein und glücklichen Gesichtern belohnt. Bis in die Abendstunden wurde gemeinsam getrunken, gegessen und in Erinnerungen geschwelgt. „Ich habe jetzt schon so viele alte Freunde getroffen, dass ich doch länger bleiben werde“, sagt Christa Schwenke.

Viele der Besucher sind rund um den Gertrudisplatz aufgewachsen. „Wir kennen uns schon seit über 50 Jahren", meint Werner Marwoski, als er in die Runde schaut, die sich um einen Stehtisch versammelt hat. Die Truppe trifft sich immer wieder auf dem Platz vor der St.-Gertrudis-Kirche. „Erst gestern Abend saßen wir hier beim Feierabendmarkt zusammen“, erzählt Hildegard Hülsmann. „Wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, findet sich auf der Hillerheide immer jemand zum Quatschen. Einsam muss hier keiner sein.“ Der Plan der Quartiersmanager scheint aufzugehen. Die Feierabendmärkte und Feste zu Beginn und zum Ende des Jahres finden immer mehr Zulauf. Das ist auch den Vereinen und Institutionen zu verdanken, die für das Fest einen Stand auf dem Platz aufbauten. Während die Schüler der Otto-Burrmeister-Realschule selbst genähte Einkaufstaschen verkaufen, informieren die Feuerwehr, Amnesty International, das Kulturcafé, der Jugendtreff, und viele mehr über ihre Arbeit.

 

Diskussion über atomare Abschreckung

  19.09.2018

Recklinghausen. „Atomare Abschreckung - kontrollierbarer Wahnsinn?“ Das ist der Titel eines Vortrags- und Diskussionsabends am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen am Donnerstag, 20. September. Beginn ist an der Werkstättentraße 16 bis 18 um 19 Uhr.

Zu dem Abend in der Reihe „Forum Alexandrine-Hegemann“ laden pax christi, der Diözesanverband Münster und die Gastkirche Recklinghausen ein. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Ab­schreckung mit Massenvernichtungsmitteln wie Atombomben moralisch gerechtfertigt werden kann und vor der christlichen Friedenslehre standhält. In einem Impulsvortrag wird Heinz-Günther Stobbe aus Münster, Professor für theologische Friedensforschung, die Entwicklung der kirchlichen Lehre zur atomaren Abschreckung aufzeigen. Vor allem will er die Frage beleuchten, ob der „Wahnsinn der atomaren Abschreckung“ überhaupt kontrollierbar ist oder warum er ethisch grundsätzlich verurteilt werden muss.

Zum Einstieg wird ein Dokumentarfilm gezeigt, im Anschluss besteht Gelegenheit, die Ausführungen zu diskutieren sowie Handlungsmöglichkeiten zur Überwindung der atomaren Abschreckung kennen zu lernen. U.a. wird Mathias Cronauer aus Herten auf Aktivitäten der Friedensbewegung am US-Atomwaffenstandort in Büchel/Eifel hinweisen. Veronika Hüning, Diözesanvorsitzende pax christi Münster, stellt „ICAN Deutschland“ als Mitträger des Friedensnobelpreises 2017 vor. Die Veranstaltung ist das dritte Angebote von pax christi, das Motto des Katholikentags 2018 „Suche Frieden" weiterzuführen.

INFO Der Eintritt ist frei.

Jeder Stolperstein steht für ein Schicksal

Gunter Demnig, Künstler und Initiator der Aktion (vorne), verlegte die Stolpersteine eigenhändig im Rahmen einer kleinen Gedenkstunde. -FOTO: BALINT

  17.09.2018

Schüler und Betroffene begleiten feierliche Verlegung.

 

Recklinghausen. (sb) Vier neue Stolpersteine wurden jetzt im Stadtgebiet verlegt. Gunter Demnig, Künstler und Initiator der Aktion, platzierte drei Gedenksteine vor dem Seniorenzentrum Grullbad und einen vierten vor dem Haus der Familie Cohaupt am Gertrudisplatz 26.

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde erinnerte der Erste Beigeordnete Georg Möllers an die Schicksale von Eva Pandor, Helene und Elfriede Sternberg sowie Maria Elisabeth Cohaupt. Die stellvertretende Bürgermeisterin Marita Bergmaier mahnte an, dass die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen sich niemals wiederholen dürften. An der Verlegung nahmen auch Vertreter des Rates sowie der jüdischen Gemeinde teil. Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs und der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule hatten Beiträge vorbereitet. So sang ein Chor aus angehenden Erziehern des Berufskollegs das Lied „Stadt“ von Cassandra Steen und Adel Tawil. Die Teilnahme sei absolut freiwillig gewesen, darauf legen die Schüler wert. „Wir haben alle aus tiefer Überzeugung mitgemacht“, erklärte Christina Joemann. „Wir müssen das Gedenken aufrechterhalten“, so Miriam Feier.

„Es ist schrecklich, dass diese Taten überhaupt in Zweifel gezogen werden.“ Giulia Tureks Familie ist selbst betroffen von den Verbrechen der Nazis. „Meine Ur-Großmutter wurde durch die Nationalsozialisten umgebracht,“ erzählte sie. Erfahren hat sie erst vor gut vier Jahren davon. „Es war ein Zufall“, erinnerte sich die Abiturientin. „Meine Tante hat ein bisschen in der Familiengeschichte geforscht und es herausgefunden.“ Der Ur-Großvater von Giulia wurde als Kind von Nonnen in einem Kloster versteckt. „Nur so konnte sie überleben. Ohne diese mutigen Nonnen gäbe es unsere Familie heute also gar nicht.“

Abitur in der Tasche

  06.07.2018

 

24 Schüler haben erfolgreich die Reifeprüfung abgelegt.

Hillerheide. Sie haben es ge­schafft. Die Abiturienten des Alexandrine-Hegemann-Be­rufskollegs haben die Hoch­schulreifeprüfung abgelegt. Oder um es mit ihren Wor­ten zu sagen: "Feel Erfolg". Unter diesem Motto haben die Schüler vergangene Wo­che ihrer Abschlussfeierlich­keiten gestaltet. Am Freitag sind, nach dem Gottesdienst in der Liebfrauen-Kirche, 24 Schülern ihre Abiturzeugnis­se verliehen worden. Nach Wochen des Grübelns und Lernens belohnten sie sich mit einer großen Party in den Räumlichkeiten der Schule an der Werkstättenstraße.

Das Abitur bestanden ha­ben folgende Schüler: Johan­nes Bischoff, Svenja Brost­haus, Julia Gesk, Laura Graw, Lea Jenhardt, Janine Jütter­mann, Kira Kunz, Emely Lu­kasiewicz, Elisabeth May, An­nika Mrosek, Christina Preußner, Celine Röcken, Jo­hanna Samson, Sophia Sam­son, Jennifer Schade, Laura Schrull, Nadia Sonntag, Le­na-Marie Strick, Elisa Strack, Lynn Truchel, Marie Vofrei, Lea Volmer, Hannah Wies­mann und Chiara Witt.

Im Einsatz für die Menschlichkeit

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen setzen sich für ihre Mitschülerin Migena Cela (Mitte) und ihre Familie ein. Sie haben einen Stein der Menschlichkeit ins Rollen gebracht. FOTO: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

 

Pressedienst Bistum Münster 03.07.2018 

Schülerinnen und Schüler setzen sich für Migena Cela und ihre Familie ein

Recklinghausen (pbm/mek). „Erst haben wir bitterlich geweint. Aber dann war klar, dass wir etwas machen müssen“, sagt eine Mitschülerin von Migena Cela. Die Mädchen umarmen sich. Auch die anderen Schulfreundinnen, die wie die 18-Jährige am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen eine Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin im vergangenen Jahr begonnen haben, stehen ihr zur Seite. Die gesamte Jahrgangsstufe 11 hat einen mächtigen Stein ins Rollen gebracht, einen Stein der Menschlichkeit.

Die Mitschülerinnen und Mitschüler der 18-Jährigen setzen sich ein, damit die angekündigte Abschiebung ihrer Eltern und ihres elfjährigen Bruders ausgesetzt wird. „Migena ist mit ihrer Familie 2015 aus Albanien nach Deutschland gekommen, damit ihr Bruder medizinisch behandelt werden kann. Als besonderes ‚Geschenk‘ zu ihrem 18. Geburtstag hat die Familie einen Brief erhalten. Darin stand, dass ihre Eltern und ihr Bruder Deutschland verlassen müssen. Sie dürfe bleiben, da sie eine Ausbildung begonnen habe“, fasst Gregor Rüter, Schulleiter an dem bischöflichen Berufskolleg, die Geschehnisse zusammen. Der Asylantrag war abgelehnt worden. „Rechtlich ist die Situation geklärt, denn Albanien gilt als sicheres Herkunftsland. Auch sei die medizinische Versorgung für den Bruder gewährleistet, heißt es. Das liest sich in der Krankenakte allerdings anders“, merkt Rüter an. Auch wenn die Entscheidung rechtlich unstrittig sei, menschlich sei sie eine Tragödie. „Dem müssen wir entgegenwirken“, betont der Schulleiter und fügt hinzu: „Gerade als Schule in kirchlicher Trägerschaft müssen wir Menschen in Not und Verzweiflung beistehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich unsere Schülerinnen und Schülern auf vielfältige Weise für die Familie engagieren.“

Als die Mitschülerinnen und Mitschüler von den Problemen der 18-Jährigen erfuhren, fackelten sie nicht lange. Sie setzten eine Petition ins Internet, die bislang 444 Unterschriften verzeichnet. Gemeinsam mit der Elternschaft, dem Kollegium und der Schulleitung richteten sich die jungen Menschen in einem ausführlichen Brief an Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Der Westdeutsche Rundfunk wurde auf die Geschichte aufmerksam und drehte für die Lokalzeit Dortmund einen Film über die Familie, die in Gladbeck wohnt. Auch die Tageszeitungen berichteten. „Der Vater ist Fliesenleger, die Mutter Schneiderin. Beide würden sicherlich schnell einen Job finden. Aber sie dürfen aufgrund ihres Status nicht arbeiten. Die Kinder sprechen ein hervorragendes Deutsch. Sie haben viele Freundschaften. Es ist ein wunderbares Beispiel für eine gelingende Integration“, konkretisiert Rüter die Situation.

„Wir wollten die Entscheidung nicht einfach so hinnehmen, denn wir finden es unmenschlich, wenn Familien auseinandergerissen werden“, sagt ein Mitschüler. Migena war das Engagement ihrer Klasse anfangs etwas unangenehm. Doch inzwischen ist sie sehr glücklich über die Unterstützung. „Wenn meine Eltern und mein Bruder gehen müssen, dann gehe ich mit. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie in Albanien in Armut leben müssten und mir ginge es in Deutschland gut. Wenn wir hierbleiben könnten, dann…“ Ihre Stimme bricht weg. Für so viel Glück fehlen ihr im Moment die Worte. 

Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich ihr Engagement auszahlt. „Wir haben Migena ins Herz geschlossen. Wir haben es nicht zu hoffen gewagt, dass wir so viel Unterstützung erhalten. Wir sind als Klasse total dankbar“, sagt ein Mitschüler. Auch der Schulleiter hofft auf ein gutes Ende. „Damit die jungen Menschen erleben, dass sich ihr Einsatz für andere lohnt und sie merken, dass sie etwas bewirkt haben.“ Und Migena? Sie ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft und betont: „Ich mache das nicht für mich allein, sondern für meine Eltern und meinen kranken Bruder, der in Albanien nicht behandelt werden kann.“

Die Petition findet sich im Internet unter www.openpetition.de/petition/online/familie.