Abitur in der Tasche

  06.07.2018

 

24 Schüler haben erfolgreich die Reifeprüfung abgelegt.

Hillerheide. Sie haben es ge­schafft. Die Abiturienten des Alexandrine-Hegemann-Be­rufskollegs haben die Hoch­schulreifeprüfung abgelegt. Oder um es mit ihren Wor­ten zu sagen: "Feel Erfolg". Unter diesem Motto haben die Schüler vergangene Wo­che ihrer Abschlussfeierlich­keiten gestaltet. Am Freitag sind, nach dem Gottesdienst in der Liebfrauen-Kirche, 24 Schülern ihre Abiturzeugnis­se verliehen worden. Nach Wochen des Grübelns und Lernens belohnten sie sich mit einer großen Party in den Räumlichkeiten der Schule an der Werkstättenstraße.

Das Abitur bestanden ha­ben folgende Schüler: Johan­nes Bischoff, Svenja Brost­haus, Julia Gesk, Laura Graw, Lea Jenhardt, Janine Jütter­mann, Kira Kunz, Emely Lu­kasiewicz, Elisabeth May, An­nika Mrosek, Christina Preußner, Celine Röcken, Jo­hanna Samson, Sophia Sam­son, Jennifer Schade, Laura Schrull, Nadia Sonntag, Le­na-Marie Strick, Elisa Strack, Lynn Truchel, Marie Vofrei, Lea Volmer, Hannah Wies­mann und Chiara Witt.

Im Einsatz für die Menschlichkeit

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen setzen sich für ihre Mitschülerin Migena Cela (Mitte) und ihre Familie ein. Sie haben einen Stein der Menschlichkeit ins Rollen gebracht. FOTO: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

 

Pressedienst Bistum Münster 03.07.2018 

Schülerinnen und Schüler setzen sich für Migena Cela und ihre Familie ein

Recklinghausen (pbm/mek). „Erst haben wir bitterlich geweint. Aber dann war klar, dass wir etwas machen müssen“, sagt eine Mitschülerin von Migena Cela. Die Mädchen umarmen sich. Auch die anderen Schulfreundinnen, die wie die 18-Jährige am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen eine Ausbildung zur staatlich geprüften Gymnastiklehrerin im vergangenen Jahr begonnen haben, stehen ihr zur Seite. Die gesamte Jahrgangsstufe 11 hat einen mächtigen Stein ins Rollen gebracht, einen Stein der Menschlichkeit.

Die Mitschülerinnen und Mitschüler der 18-Jährigen setzen sich ein, damit die angekündigte Abschiebung ihrer Eltern und ihres elfjährigen Bruders ausgesetzt wird. „Migena ist mit ihrer Familie 2015 aus Albanien nach Deutschland gekommen, damit ihr Bruder medizinisch behandelt werden kann. Als besonderes ‚Geschenk‘ zu ihrem 18. Geburtstag hat die Familie einen Brief erhalten. Darin stand, dass ihre Eltern und ihr Bruder Deutschland verlassen müssen. Sie dürfe bleiben, da sie eine Ausbildung begonnen habe“, fasst Gregor Rüter, Schulleiter an dem bischöflichen Berufskolleg, die Geschehnisse zusammen. Der Asylantrag war abgelehnt worden. „Rechtlich ist die Situation geklärt, denn Albanien gilt als sicheres Herkunftsland. Auch sei die medizinische Versorgung für den Bruder gewährleistet, heißt es. Das liest sich in der Krankenakte allerdings anders“, merkt Rüter an. Auch wenn die Entscheidung rechtlich unstrittig sei, menschlich sei sie eine Tragödie. „Dem müssen wir entgegenwirken“, betont der Schulleiter und fügt hinzu: „Gerade als Schule in kirchlicher Trägerschaft müssen wir Menschen in Not und Verzweiflung beistehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich unsere Schülerinnen und Schülern auf vielfältige Weise für die Familie engagieren.“

Als die Mitschülerinnen und Mitschüler von den Problemen der 18-Jährigen erfuhren, fackelten sie nicht lange. Sie setzten eine Petition ins Internet, die bislang 444 Unterschriften verzeichnet. Gemeinsam mit der Elternschaft, dem Kollegium und der Schulleitung richteten sich die jungen Menschen in einem ausführlichen Brief an Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Der Westdeutsche Rundfunk wurde auf die Geschichte aufmerksam und drehte für die Lokalzeit Dortmund einen Film über die Familie, die in Gladbeck wohnt. Auch die Tageszeitungen berichteten. „Der Vater ist Fliesenleger, die Mutter Schneiderin. Beide würden sicherlich schnell einen Job finden. Aber sie dürfen aufgrund ihres Status nicht arbeiten. Die Kinder sprechen ein hervorragendes Deutsch. Sie haben viele Freundschaften. Es ist ein wunderbares Beispiel für eine gelingende Integration“, konkretisiert Rüter die Situation.

„Wir wollten die Entscheidung nicht einfach so hinnehmen, denn wir finden es unmenschlich, wenn Familien auseinandergerissen werden“, sagt ein Mitschüler. Migena war das Engagement ihrer Klasse anfangs etwas unangenehm. Doch inzwischen ist sie sehr glücklich über die Unterstützung. „Wenn meine Eltern und mein Bruder gehen müssen, dann gehe ich mit. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie in Albanien in Armut leben müssten und mir ginge es in Deutschland gut. Wenn wir hierbleiben könnten, dann…“ Ihre Stimme bricht weg. Für so viel Glück fehlen ihr im Moment die Worte. 

Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich ihr Engagement auszahlt. „Wir haben Migena ins Herz geschlossen. Wir haben es nicht zu hoffen gewagt, dass wir so viel Unterstützung erhalten. Wir sind als Klasse total dankbar“, sagt ein Mitschüler. Auch der Schulleiter hofft auf ein gutes Ende. „Damit die jungen Menschen erleben, dass sich ihr Einsatz für andere lohnt und sie merken, dass sie etwas bewirkt haben.“ Und Migena? Sie ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft und betont: „Ich mache das nicht für mich allein, sondern für meine Eltern und meinen kranken Bruder, der in Albanien nicht behandelt werden kann.“

Die Petition findet sich im Internet unter www.openpetition.de/petition/online/familie.

Die volle Wucht der Asylfrage

Dies ist nur ein Symbolbild für das, was gerade am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg vor sich geht: Mitschüler wollen die Abschiebung von Migena Cela (M.) und ihrer Familie verhindern. Die angehenden Gymnastiklehrer, heut spricht man auch von Bewegungspädagogik, werden in einem chancenreichen Wirtschaftszweig - z.B in der Gesundheitsprävention - arbeiten. Migena steht vor der Entscheidung, berufliche Zukunft oder Familie aufzugeben. FOTO: FIEKENS

 

  29.06.2018

 

RECKLINGHAUSEN. Am Alexandri­ne-Hegemann-Berufskolleg nehmen Mitschüler die Abschiebung einer 18-Jährigen nach Albanien nicht hin.

Von Thomas Fiekens

Die Rechtslage ist un­strittig, die mensch­liche Tragödie da­hinter unermess­lich. Migena Cela steht vor der Entscheidung: Bleibt sie allein zurück in Deutschland, um ihre Ausbildung zur Gym­nastiklehrerin am Reckling­hä user Alexandrine-Hege­mann-Berufskolleg zu been­den? Oder gibt sie die Zu­kunftsperspektive auf und geht mit ihrer Familie zurück nach Albanien, wohin Vater, Mutter und der elfjährige Bruder abgeschoben werden sollen? Mit voller Wucht treffen alle Fragen der Flücht­lings- und Asylpolitik die Mitschüler der 18-Jährigen. Fernsehberichte über Ab­schiebungen sind nicht mehr weit weg, es geht um eine von ihnen - junge Menschen wol­len das nicht mitmachen. So wie Anton Wolf: Er hat eine Internetpetition initiiert: „Abschiebung der Familie Ce­la verhindern - jetzt!" Sie ist adressiert an das Bundesamt für Migration und Flüchtlin­ge und den Petitionsaus­schuss NRW.

Migenas 18. Geburtstag hat alles geändert: Sie ist nun volljährig, für sich selbst ver­antwortlich. Die Ausbildung als „Abschiebehemmnis" schützt nur noch sie allein. Die im Zusammenhang bis dato in Deutschland „gedul­dete" Familie Cela hat am 15. Juni, ein paar Tage nach dem Geburtstag, den Abschiebebescheid erhalten.

Schulleiter Gregor Rüter be­eindruckt die Solidarität der Schüler. „Wir haben ein Mus­terbeispiel für das, was man unter gelungener Integration versteht", sagt Rüter am Don­nerstagmorgen im Berufskol­leg an der Werkstättenstraße in RE. "Keiner versteht das: 2017 hat Migena in der Jahr­gangsstufe 11 eine Ausbil­dung zur Gymnastiklehrerin begonnen. Sie liefert beein­druckend gute Ergebnisse ab. Allein der Spracherwerb in so kurzer Zeit ist ein toller Er­folg. Migena wird von den Mitschülern wertgeschätzt, man trifft sich, sie bekommt Geburtstagseinladungen - das sind alles Indikatoren für gelungene Integration."

Berufskolleg mit eigenem Wertekanon

Das Engagement der Schü­ler beruht womöglich gerade darauf, dass das Berufskolleg in Trägerschaft des Bistums Münster Schulabschlüsse und Ausbildung im Gesundheits­und Sozialbereich anbietet. Und Menschen darauf vorbe­reitet, als Erzieher oder als Gymnastiklehrer im Präventi­ons- und Reha-Bereich ande­re Menschen wertzuschätzen.

Lehrer stehen hinter der Forderung, die Abschiebung abzuwenden, Eltern von Mit­schülern machen mit. Der Protest wird breiter, Land­tags- und Bundestagsabge­ordnete werden per Brief mit der Bitte konfrontiert, we­nigstens die „Duldung" der Familie zu verlängern, und - wenn möglich - ein unbefris­tetes Aufenthaltsrecht zu ge­währen. 2015 ist Familie Cela nach Deutschland gekom­men. Er hat in Albanien als Fliesenleger gearbeitet, sie als Schneiderin - als Asylbewer­ber dürfen sie das hier nicht. In Deutschland konnten Ärz­te ihrem Sohn, heute elf Jahre alt, helfen. Er ist krank, leidet unter Lähmungserscheinun­gen. Aktuell ist er „abschiebe­fähig" - gleichwohl rechnen Mediziner damit, dass ohne Folgetherapie mit Rückschlä­gen zu rechnen ist.

Doch die Rechtslage scheint klar, Familie Cela soll gehen. Zuständig ist das Aus­länderamt in Gladbeck. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und Verwal­tungsgerichte treffen die Ent­scheidungen, das Ausländer­amt der Stadt ist die ausfüh­rende Behörde", erklärt Da­vid Hennig vom Presseamt. „Wir haben die Familie auch beraten und sie darüber infor­miert, dass sie im Fall einer freiwilligen Ausreise nach ei­ner zehnmonatigen Sperre für 90 Tage wieder einreisen könnte, um die Tochter zu besuchen. Oder mit einem Arbeitsvisum für die Eltern."

Während Rüter seine Schü­lerin am Donnerstagmorgen lobt, hat die Klasse 11 der an­gehenden Gymnastiklehrer Pause, sie „chillen", wie es junge Leute halt so machen. Migena gehört wie selbstver­ständlich dazu. Schüchtern wirkt das Mädchen und, ja, bedrückt. Sie zu fragen, wie sie sich denn nun entschei­den wird, verbietet der An­stand. In Gesprächen mit Lehrern hat sie angedeutet, Deutschland mit der Familie zu verlassen. Ein Land, das wie so vieles auch Gymnas­tiklehrer braucht.

Die Petition im Internet: www.openpetition.de/petition/online/familie-ce­la-ein-gelungenes-bei­spiel-fuer-integration

AUF EIN WORT

Unwürdig

Es ist ein über jedes Maß kras­ser Vorgang: Während sich ge­rade alle Söderhofers dieser Republik in Berlin als Asyl-She­riffs in Schotten-dicht-Rhetorik überbieten, machen sich Schülerinnen und Schüler des Alexandrine-Hegemann-Be­rufskollegs für eine Mitschüle­rin stark, die ganz genau weiß, was es bedeutet, an ei­nem richtigen oder falschen Fleck auf der Erdkugel gebo­ren zu sein. Der jungen Frau Cela also wird großzügig die Entscheidung gewährt, entweder ihre hoffnungs­froh begonnene Zukunft oder die Familie sausen zu lassen. Ich oder ihr? Adieu Papa und Mama, mach es gut, kleiner Bruder?

Mein Gott, was ist das un­würdig. Und was macht das mit einer 18-Jährigen und wie viele Migenas gibt es in Deutschland? Seit Jahrzehnten drückt sich Deutschland darum, tatsächlich Einwanderungs­gesetze zu schaffen, die Menschen die Chance eröff­nen, hier Fuß zu fassen. Und nicht über die Hilfskrü­cke eines Asylantrages den Versuch unternehmen zu müssen, der absoluten Pers­pektivlosigkeit zu entkom­men. Da sind sie dann sprachlos, die Söderhofers.

Bistum bilanziert Katholikentag - Bischof zieht positives Fazit

Sehr positiv fiel im Diözesanrat die Bilanz zum Katholikentag aus, der vom 9. bis zum 13 Mai in Münster stattgefunden hat. Foto: pbm

 

  18.06.2018

Münster - Diese Abrechnung fiel positiv aus: Im Diözesanrat des Bistums gab es viel Lob für den Katholikentag im Mai.

„Ich danke allen Menschen in unseren Pfarreien, Verbänden, den Verantwortlichen in den Kreisdekanaten und gerade auch Ihnen, den Mitgliedern des Diözesanrates, für das herausragende Engagement beim Katholikentag.“ Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn bei der jüngsten Sitzung des Diözesanrates in Münster betont. Der 101. Deutsche Katholikentag, der im Mai in Münster stattgefunden hat, habe auch dem Bistum neuen Schwung gegeben, sagte er. Gerade das Leitwort „Suche Frieden“ habe sehr viel Kreativität hervorgerufen, das Bistum habe sich ausgesprochen gastfreundlich gezeigt.

Auch Domkapitular Dr. Klaus Winterkamp, Beauftragter des Bistums für den Katholikentag, zog ein sehr positives Fazit: „Ich bin mehr als hochzufrieden“, sagte Winterkamp. Er machte deutlich, dass das Treffen in Münster „sowohl ein politischer als auch ein spirituell-geistiger Katholikentag“ gewesen sei. Mit der Wallfahrt nach Telgte, an der rund 1000 Gläubige teilnahmen, habe das Bistum bewusst einen starken geistigen Akzent gesetzt. Die Bistumspräsentation auf dem Überwasserkirchplatz sei immer sehr gut besucht gewesen. „Und dank der Unterstützung unserer Berufskollegs konnten wir eine umfassende Kinderbetreuung anbieten, sodass es ein sehr kinder- und familienfreundlicher Katholikentag war, der Maßstäbe gesetzt hat“, hielt Winterkamp fest. Er dankte auch den städtischen Behörden für die hervorragende Zusammenarbeit.

Die Mitglieder des Diözesanrates sprachen von einer „sehr positiven Grundstimmung“ beim Katholikentag. Er sei einer des ganzen Bistums gewesen sei. In den Pfarreien hätten sich schon im Vorfeld viele Menschen mit dem Leitwort befasst, auch die Verbände hätten sich sehr motiviert auf den Katholikentag vorbereitet und engagiert an dem Treffen beteiligt. Insgesamt sei die Identifikation mit dem Bistum durch den Katholikentag gewachsen.

Vereine sind ein Stück Heimat

  30.05.2018

46. WOCHE DES SPORTS: Veranstaltungsreigen ist offiziell eröffnet.

Festspielhaus. (meho) Um genau 19:13 Uhr wurde es am Dienstagabend offiziell. Mar­tin Wonik, Vorstandsmitglied des Landessportbundes, hat die 46. Woche des Sports förmlich eröffnet.

Bis zum 10. Juni stellen Recklinghäuser Sportvereine ihre Disziplinen vor und zeigen auf, wie vielfältig die hiesige Sportland­schaft ist. Vor dem Start­schuss im Foyer des Ruhrfestspielhauses befasste sich Mo­derator Hans Timmermann in einem Sportgespräch mit Gerwin Reinink (Staatskanz­lei des Landes NRW), Martin Wonik (LSB), Festspielleiter Dr. Frank Hoffmann und Bür­germeister Christoph Tesche unter anderem mit ehren­amtlichem Engagement.

„Vereine sind existenziell abhängig davon", betonte Martin Wolnik. „Viele Vereine haben deshalb aber auch Probleme." Allein stehen die Funktionäre nicht da, erläuterte Gerwin Reinink. „Viele wissen nicht, dass sie Hilfe abrufen können." Land und Landessportbund stehen Sportvereinen zur Seite, er­klärte der Gast aus Düssel­dorf.

Passend zum Thema der Ruhrfestspiele griff die Grup­pe auch das Thema „Heimat" auf. „Das ist auch der Verein", betonte Christoph Tesche und sprach aus seiner Erfah­rung als Aktiver, Trainer und Funktionär. „Das war für mich eine prägende Zeit. Über den Sport hat sich ein heimatliches Gefühl entwi­ckelt."

Auf einen Aspekt mochte sich Frank Hoffmann nicht festlegen. „Heimat ist etwas in Bewegung." Auch für den Festspielleiter, der bekannt­lich Recklinghausen nach 14 Jahren verlassen wird. „Die Stadt ist mir ans Herz ge­wachsen und meine zweite Heimat."