Berufskolleg stellt sein Angebot vor

  14.11.2017

Hillerheide. In diesen Wochen stehen viele Schüler vor wichtigen Entscheidungen im Hinblick auf ihre Zukunft. Wer sich für das Sozial- und Gesundheitswesen interessiert, kann einen der Infoabende nutzen, um sich über das Angebot des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs, Werkstättenstraße 16-18, zu informieren.

Der erste Termin ist am Mittwoch, 15. November, um 19 Uhr. Und auch am Donnerstag, 16. November, Mittwoch, 6. Dezember, sowie Dienstag, 12. Dezember (Sonder-Info für angehende Bewegungspädagogen), besteht jeweils um 19 Uhr Gelegenheit zur Information.

Zum Angebot des Berufskollegs zählt beispielsweise das Fachabitur im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen, das auf eine Ausbildung in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, die Arbeit mit Behinderten, Ergo- und Physiotherapie sowie Sozialarbeit und Sozialpädagogik vorbereitet. Daneben gibt es den Bildungsgang des beruflichen Gymnasiums, der in drei Jahren zum Abitur führt. Weitere Möglichkeiten sind die dreijährige Ausbildung zu Bewegungspädagogen und die Ausbildung zu „staatlich anerkannten Erziehern“.

INFO unter Tel. 93 72 60 @ www.ah-bk.de

Tipps auf Augenhöhe

  08.11.2017

Sprach-Scouts der Overbergschule bekommen Unterstützung von angehenden Erzieherinnen

So geht es auch: Stefan Willner hat seine selbst gebastelte Schatzkiste zum Thema Insekten mitgebracht. Sila, Lucie, Jessica und Miriam (v.l.) sind ganz Ohr.

 

Von Michael Richter

KÖNIG LUDWIG. Mit dem Motto „Lernen auf Augenhöhe“ machen die Sprachscouts an der Bernard-Overberg-Realschule seit vier Jahren schon beste Erfahrungen. Die Jugendlichen besuchen einmal in der Woche ehrenamtlich Kitas und Grundschulen, um dort Kindern sprachlich auf die Sprünge zu helfen. Jetzt haben die Sprachhelfer neue Ideen gesammelt. Und die Ideengeber waren ebenfalls wieder nicht viel älter als die Realschüler, aber doch absolut vom Fach.

In die Rolle der „Sprachhelfer-Helfer“ schlüpften Erzieherinnen, knapp über 20 Jahre, aus dem zweiten Ausbildungsjahr am Alexandrine-Berufskolleg an der Werkstättenstraße. „Sie sind noch in der Ausbildung und somit bei Methodik und Didaktik natürlich weit vorn“, erklärt Andrea Krucinski den Ansatz. Die Lehrerin betreut die Sprachscouts an der Overbergschule.

Drei Workshops hat es gegeben. Es ging um kleine Spiele und Lieder, mit denen die Scouts zu Beginn eines jeden Treffens eine wohlige Atmosphäre erzeugen können und die den Besuchen zugleich Rituale und somit eine Struktur geben. Gleichsam bleibt für die Scouts aber auch Freiraum. Die bewährten Spielekoffer können sie individuell ergänzen, schlagen die Berufsschüler vor. „Die Jugendlichen können mit ihren Themen, ihren Hobbys arbeiten“, findet Stefan Willner.

Im Rahmen seiner Ausbildung hat der 42-jährige, spät berufene Erzieher eine Insektenbox erstellt mit Makrofotografien und dem Bilderbuch der kleinen Spinne Widerlich. „Die eigenen Stärken einzubringen, stärkt auch das Selbstvertrauen“, weiß Willner. Weitere Themen können der Weltraum sein oder der Frühling mit Basteltipps und Gedichten.

Ein Gedicht findet der 13-jährige Leon Twachtmann auch ganz und gar nicht abwegig. „Gedichte erzählen Geschichten und Kinder lieben es, wenn man ihnen etwas vorliest“, weiß der Realschüler.

Sevde Yilmaz (13) ist sich jetzt vor allem der Vorbildfunktion bewusst, die sie als Sprachscout bei „ihren“ Schülern einnimmt. „Kinder übernehmen nämlich alles von uns“, hat sie erfahren. Die Augenhöhe mit den Berufsschülern habe dabei eine große Rolle gespielt. „Wir sprechen eine ähnliche Sprache, wir sprechen halt lockerer als Lehrer“, bringt die 13-Jährige es auf den Punkt.

Und damit kann Lehrerin Andrea Krucinski sehr gut leben. Schließlich hat auch sie ihre Schüler neu erlebt. „Ich hatte nicht gedacht, dass sie so gerne singen.“ Dass auch die Erzieherinnen aus den Treffen mit den Realschülern jede Menge für ihr späteres Berufsleben mitgenommen, bestätigt die 23-jährige Pia Schlüter. „Vor 35 Jugendlichen frei zu sprechen, muss ja gelernt werden.“ Auch nach dem letzten Workshop wollen die Berufsschüler den Sprachscouts beratend zur Seite stehen. Insbesondere wollen sie die Realschüler bei ihren Besuchen begleiten.

 

Ein Ort steht auf

  27.10.2017

Hunderte Besucher beim Herbstfest auf dem Gertrudisplatz / Wunsch nach Bänken

Aktivposten: Die Cheerleader des TuW unterhielten die Besucher des Herbstfestes unter der wärmenden Oktobersonne.           -FOTO: NOWACZYK

 

VON ALEXANDER SPIESS

HILLERHEIDE. Einen ech­ten Treffpunkt gibt es auf der Hillerheide nicht. Seit gestern muss es wohl hei­ßen: Gab es nicht. Denn beim zweiten Anlauf wur­de das Herbstfest auf dem Gertrudisplatz genau das, was es schon im Vorjahr sein sollte: eine Stadtteil­fete mit Zugkraft.

Vor zwölf Monaten ging das Fest im Dauerregen unter. Gestern diente das mittig auf dem Karree platzierte Pavil­lonzelt allenfalls als Sonnen- ­denn als Regenschutz. 20 Ver­eine und Einrichtungen mischten mit.

Für Vizebürgermeisterin Marita Bergmaier ist die Hil­lerheide ein Stadtteil mit Po­tenzial. Und das vor allem dank seiner „funktionieren­den Vereinsstruktur". "Ohne die wäre es schwierig, hier et­was auf die Beine zu stellen", erzählte die Christdemokra­tin im Anschluss an ihre Er­öffnungsrede.

Genau das wollten die Quar­tiersmanager Björn Schmidt­-Freistühler und Monika Wag­ner-van der Straten: etwas auf die Beine stellen, das Stadt­teilleben voranbringen.

Björn Schmidt-Freistühler sagt das so: "Wir wollen Kooperatio­nen anschieben. Letztlich sollen Vereine nicht alle uns kontaktieren, sondern unter­einander zusammenarbei­ten." Nur so sei es möglich, dass das Werk der Quartiers­rnanager den 31. Dezember 2018 überdauert. An diesem Tag laufen die Verträge aus.

Monika Wagner-van der Straten möchte 2018 einen Stadtteilrat installieren. Das Gespann ist zuversichtlich, genügend aktive Hillerheider für das Parlament zu finden. Beim Vorbereitungstreffen für das Herbstfest seien 14 Teilnehmer gewesen.

Bis auf einen Bierwagen gab es beim Herbstfest alles, was zu einem Stadtteilfest da­zugehört: auf der Bühne tan­zende TuW-Cheerleader und angehende Gymnastiklehre­rinnen des Alexandrine-He­gemann-Berufskollegs, Wein- und Zwiebelkuchen servierende Seniorenbeiräte, Kindergesichter schminkende Mitarbeiter des Jugendamtes, einen Stöcke schnitzenden Erlebnispädagogen Olaf Alitz, präsente Schützen und Helfer der Caritas.

Hinter den Fensterscheiben der angrenzenden Häuser tauchten neugierige Gesich­ter auf. Manch einer ließ sich vom Treiben anstecken und wagte sich nach draußen. Dort saßen Ilona Kähnert und Hildegard Ujcic im Pavil­lonzelt und genossen die Herbstsonne. "Es ist gut, dass sich hier auf der Hillerheide etwas tut", meinte llona Käh­nert. Für den Gertrudisplatz wünscht sie sich zweierlei: Bänke und Papierkörbe. „Dann hätten wir hier wieder einen echten Treffpunkt im Ort."

Und eines Tages vielleicht einen funktionierenden Wo­chenmarkt. Dieser ist derzeit auf ein bis zwei Stände ge­schrumpft. SPD-Fraktions­chef Frank Cerny hofft auf ei­ne belebende Wirkung durch die Bebauung des nahen Trabrennbahngeländes. Bis dahin wird auf dem Gertru­displatz aber noch manches Herbstfest gefeiert.

Nachwuchs ist überall aktiv

  18.10.2017

Gruppenleiter der Messdiener aus den drei Stadtpfarreien zeichnete Bürgermeister Christoph Tesche am Montagabend im Ratskeller mit einem Ehrenpreis aus. Sie wurden stellvertrretend für alle Ministranten in der Stadt geehrt.

 

Bürgermeister Christoph Tesche würdigt nachhaltigen Einsatz auf ganz vielen Ebenen

Von Hermann Böckmann (Text) und Thomas Nowaczyk (Fotos)

RECKLINGHAUSEN. Ein Bürgermeister absolviert eine Unmenge von Terminen. Am Montagabend stand für Christoph Tesche eine Veranstaltung auf dem Plan, die ihm sichtlich Freude bereitete. „Ich habe mich auf diesen Abend schon seit Tagen gefreut", bekannte das Stadtoberhaupt im Ratskeller vor mehr als Hundert Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die er für deren ehrenamtliches Engagement auszeichnete.

Bereits im Mai hatte die Stadt Bürger und Institutionen aufgerufen, Vorschläge zu machen. Heraus kam eine lange Liste, die dokumentiert, dass sich junge Menschen in Recklinghausen auf ganz unterschiedlichen Ebenen für das Allgemeinwohl einsetzen. „Und das ist keineswegs selbstverständlich", betonte Tesche in seiner Rede, die von den Gästen mit viel Beifall aufgenommen wurde.

„Jeder von euch übernimmt Verantwortung in dieser Stadt. Ihr hört zu, ihr packt mit an oder ihr nehmt Anteil am Schicksal anderer Menschen. Heute ist Zeit, dass wir von Politik und Verwaltung dafür einfach mal Danke sagen“, so Tesche. Für die Ehrungen gingen zwölf Einzelvorschläge ein, darüber hinaus wurden fünf Jugendgruppen und sechs Schulprojekte vorgeschlagen.

Begeistert zeigte sich von der Initiative der Stadt der Direktor des Gymnasium Petrinum. „Eine solche Ehrung junger Menschen ist ganz wichtig. Es besteht die Gefahr, dass deren Engagement als selbstverständlich angesehen wird. Das ist es aber nicht. Ich finde es wichtig und richtig, dass die Stadt mit einer solchen Veranstaltung ihren Dank zum Ausdruck bringt", sagte Michael Rembiak.

Seine Schule war gleich mehrfach vertreten. Zwei von vier Ehrenpreisen für Schulprojekte erhielten die Eine-Welt-AG und die Gruppe der Sporthelfer am ältesten Gyrnnasium der Stadt. Von der Jury wurde zudem das Projekt Begegnungen am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg ausgezeichnet. Schüler der Stufe elf begleiten in ihrer Freizeit Flüchtlingskinder in den Unterkünften an der Herner Straße und der Vinckestraße. Die Arbeit ist auf ein Jahr angelegt, viele Schüler sind aber auch im zweiten Jahr dabei. Aktiv kümmern sich die Sprachscouts der Bernard-Overberg-Realschule um die Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Und das tun sie so gut, dass auch sie von der Jury mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet wurden.

Über diese besondere Auszeichnung durften sich auch drei Einzelpersonen freuen. Jan Zühlke zählt seit Jahren im Begegnungscafe „Talk und Surf" zu den Aktivposten, Helena Lorenz bringt sich bei Citybasket RE als Trainerin und Schiedsrichterin aktiv in die Nachwuchsarbeit ein. Und dann war da noch Fabian Wübbeling. Seit elf Jahren ist er in der Jugendarbeit der Gemeinde St. Peter aktiv, seit sieben Jahren gehört er zum Team im Areopag, dem christlichen Jugendcafe an der Steinstraße. Und damit nicht genug sorgt er als Mitglied der Areopag-Band um die musikalische Gestaltung von Andachten und anderen Feierlichkeiten.

Stark vertreten waren die Kirchengemeinden auch bei den Ehrenpreisen für die Gruppen. Die „Affenbande" der evangelischen Gemeinde Süd bietet seit zweieinhalb Jahren Grundschulkindern im Ortsteil ein buntes Programm und ein regelmäßiges gemeinsames Mittagessen an. 20 bis 35 Kinder kommen zu den monatlichen Treffen.

Stellvertretend für die Ministranten in allen drei katholischen Pfarrgemeinden der Stadt zeichnete Tesche die Gruppenleiter der Messdiener aus. Viel Applaus gab es außerdem für die große Garde junger Trainer und Kampfrichter aus der Trampolinabteilung der Spvgg. Blau-Weiß Post.

@ Mehr Fotos unter www.recklinghaeuser-zeitung.de

 Über den Ehrenpreis freuten sich auch Valerie Häßlich, lrem Aksu und Christopher Mahlberg (v.l.), die für die Petrinum-Sporthelfer im Ratskeller mit von der Partie waren.

„Ohne Neugierde geht es nicht“

  29.09.2017

Gaby Golda unterrichtet seit 1978 am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg künftige Erzieher

Seit 40 Jahren ist Gaby Golda (60) im Dienst des bischöflichen Generalvikariats Münster, vor 39 Jahren hatte sie ihren ersten Tag als Lehrerin am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg. In vier Jahrzehnten hat sich viel verändert. FOTO: MUNKER

 

VON BIANCA MUNKER

HILLERHEIDE Seit vier Jahrzehnten ist·Gaby Golda (60) im Dienst des bischöflichen Generalvikariats Münster beschäftigt, ein Jahr später hatte sie ihren ersten Tag am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg. Seit 1978 unterrichtet sie dort künftige Erzieherinnen und Erzieher.

„Als ich mit dem Unterrichten angefangen habe, arbeiteten die Erzieherinnen hauptsächlich im Kindergarten. Heute ist das Arbeitsfeld deutlich größer“, erklärt Gaby Golda. Erziehende seien heute oftmals nicht nur in Kindertagesstätten, sondern im Offenen Ganztag und der Jugendhilfe beschäftigt.

„Es hat sich alles verändert – nicht nur die Institutionen, sondern die gesamte Lebenswelt der Erwachsenen und Eltern", sagt die Lehrerin. Während in den 1970er- und 1980er-Jahren die Mütter häufig zu Hause blieben und sich in den ersten Jahren um den Nachwuchs kümmerten, sind die Frauen heute meistens berufstätig und brauchen eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Die Jungen und Mädchen müssen heute oftmals auch länger - bis in die Nachmittagsstunden - umsorgt werden.

Ein anderer wichtiger Aspekt sind männliche Erzieher. „Ich erinnere mich, dass 1978 ein einziger Schüler am Berufskolleg war. Der Mann wollte als Erzieher im Freizeitbereich tätig werden. In den 1990er-Jahren wurde dann aber eine Veränderung spürbar. Mittlerweile haben wir rund zehn Männer pro Schuljahr im Unterricht."

Mehrere Tausend junge Menschen hat Gaby Golda in den vergangenen Jahrzehnten unterrichtet. „Ich treffe noch viele Leute wieder, die ich ausgebildet habe", freut sie sich. „Es macht mir viel Spaß, die jungen Menschen während ihrer wichtigen Ausbildungszeit zu begleiten.“

„Doch nicht alle Personen sind für diese Ausbildung geeignet. „Ich erinnere mich an eine junge Frau, der ich vor vielen Jahren gesagt habe, dass der Beruf nicht zu ihr passt. ‚Such dir lieber was Neues', habe ich ihr geraten.'“ Diesen Tipp hat die ehemalige Schülerin von ihrer Lehre rin auch angenommen. „Heute ist sie keine Erzieherin, sondern Konditormeisterin“, erinnert sich Gaby Golda, die mit ihrem Mann in Herten lebt.

Was sollte ein Mann oder eine Frau mitbringen, um Erzieher zu werden? „Auf jeden Fall Wertschätzung und Achtung für Menschen, auch für ganz kleine, hinzu kommen Offenheit für Veränderungen und Neugierde.“

Erzieherinnen und Erzieher tragen große Verantwortung für ihre Schützlinge. „Das ist mit der wichtigste Beruf, den es gibt", betont Gaby Golda. „Sie unterstützen die Kinder dabei, die Welt entdecken zu lernen. Dinge auszuprobieren spielt in den ersten Lebensjahren eine große Rolle."

Sie selbst ist Mutter von drei Kindern – „mein Kleiner ist 25“ – sagst sie mit einem Augenzwinkern.

In fünf Jahren, nach dann insgesamt 45 Dienstjahren beim bischöflichen Generalvikariat, möchte Gaby Golda in den Ruhestand gehen. „Vielleicht werde ich mich ehrenamtlich einsetzen, ich könnte mir vorstellen, bei der Telefonseelsorge zu arbeiten. Zudem freue ich mich, mehr Zeit für meine Familie zu haben – und vielleicht habe ich in fünf Jahren auch schon Enkelkinder…“